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Unterbringung Amtsgericht Stralsund, Zweigstelle Bergen

28.07.2021 • Allgemeiner Landesbau
Auf der landeseigenen Liegenschaft in Bergen, Schulstraße 1 wurde seit März 2017 das vorhandene Gebäudeensemble saniert und umgebaut. Hier investierte das Land Mecklenburg-Vorpommern fast 6,5 Millionen Euro. Umgesetzt wurde die Baumaßnahme in Verantwortung des BBL M-V Geschäftsbereich Neubrandenburg und ab Januar 2020 durch das Staatliche Bau- und Liegenschaftsamt (SBL) Greifswald. Das Bauprojekt dient der Deckung des Raumbedarfes für die Unterbringung der Zweigstelle des Amtsgerichtes Stralsund hier am Standort Schulstraße 1 in Bergen. Das Dachgeschoss des sogenannten "Alten Gebäudes" wurde ausgebaut und das seit 25 Jahren leerstehende Hafthaus für die Nutzung hergerichtet.
Das Gebäudeensemble, bestehend aus dem ehemaligen Hafthaus, dem sogenannten "Alten Gebäude" und dem Haupthaus, erstreckt sich entlang der Schulstraße und der Billrothstraße. Es ist ein Einzeldenkmal und befindet sich innerhalb des Bodendenkmals "Altstadt". Aufgrund des hervorragenden Überlieferungsstandes von Gefängnistrakt und Gerichtsgebäude ist die gesamte Anlage in besonderem Maße geeignet, als bauliches Zeugnis für die aus der zeitgenössischen Literatur überlieferten funktionalen und gestalterischen Anforderungen zu stehen.

Hauptgebäude

Das vollunterkellerte zweigeschossige Hauptgebäude (entlang der Billrothstraße) wurde 1903 erbaut und ist in seiner Struktur weitest gehend unverändert erhalten. Es war bereits 2012 unter Beibehaltung historischer Grundrisse und Ausstattungen saniert worden.
Wesentlicher Inhalt der nun abgeschlossenen, neuesten Umbau- und Sanierungsmaßnahmen waren für dieses Gebäude neben der barrierefreien Erschließung auch die Umsetzung der sicherheitstechnischen Anforderungen unter Beachtung der definierten denkmalpflegerischen Auflagen, die Erneuerung der Vertikalabdichtung sowie bauliche Veränderungen, die der Umsetzung des anerkannten Raumprogramms dienen.

"Altes Gebäude"

Bei dem sogenannten "Alten Gebäude" handelt es sich um den mittig im Gebäudeensemble stehenden Putzbau im klassizistischen Stil. Das zweigeschossige, teilunterkellerte Gebäude wurde zweihüftig errichtet. Es war ursprünglich ein frei stehendes Einzelbauwerk. Mit dem Ausbau des Gerichtsstandortes 1903 erfuhr das Gebäude eine starke Überformung.
Das "Alte Gebäude" war, wie das Hauptgebäude, bereits in den Jahren 2001 bis 2003 saniert worden. Im Zuge der jetzt abgeschlossenen Baumaßnahmen wurde das bisher ungenutzte Dachgeschoss ausgebaut, um den gestiegenen erforderlichen Raumbedarf unterbringen zu können. Darüber hinaus wurden die Sanitäranlagen erneuert, Teeküchen eingebaut und Raumzuschnitte zur Deckung des Raumbedarfes angepasst und geändert. Eine weitere wesentliche Bauleistung am "Alten Gebäude" war ebenfalls die Erneuerung der vertikalen Bauwerkabdichtung.

Hafthaus

Das Hafthaus, ein dreigeschossiger, vollständig unterkellerter Backsteinbau, wurde ebenfalls um das Jahr 1903 im Zusammenhang mit dem Hauptgebäude errichtet. Zum Hof wurde ein Seitenflügel angeordnet. Im linken Bereich der Straßenfassade befindet sich eine Durchfahrt zum Hof. Das Gebäude ist einhüftig gebaut, wobei der Flur zur Straßenseite und die jeweils sechs Hafträume zur Hofseite ausgerichtet worden sind. In den beiden Geschossen über der Durchfahrt waren am Westgiebel Gemeinschaftszellen angeordnet.
Das Hafthaus blieb im Laufe der Jahre im Wesentlichen unverändert erhalten, wies jedoch aufgrund des 25-jährigen Leerstandes erhebliche Schäden an der Bausubstanz auf. Es war bzw. ist nur in sehr begrenztem Maß für eine Büronutzung geeignet. Aus diesem Grund wurden die Bauschäden beseitigt, vorhandene Räume für die Unterbringung von Archiven, Lagerräumen, Bibliotheksräumen und Asservatenkammer hergerichtet. Weiterhin wurden zwei Vorführzellen mit zugehöriger WC-Zelle und jeweils zwei Besprechungs- und Büroräume geschaffen.
Da der ehemalige Gefängnistrakt am Amtsgericht Bergen im Laufe seiner über 100-jährigen Nutzungsgeschichte nur wenige Veränderungen erfuhr, überliefert er in besonderem Maße Bautypus und  spezielle Details seiner Entstehungszeit.

Betriebstechnik/ Ver- und Entsorgung

Die vorhandenen Hausanschlüsse und die Trinkwasserverteilungsleitungen wurden erneuert. Für die Wärmeversorgung erfolgte der Einbau eines neuen, größeren und energetisch wirtschaftlichen Kessels sowie die Anpassung des Netzes zur Wärmeverteilung an die baulichen Veränderungen. Die Verhandlungssäle erhielten eine zentrale Be- und Entlüftung sowie Raumluftkühlung. Das neu ausgebaute Dachgeschoss des "Alten Gebäudes" wurde an das Lüftungssystem angeschlossen und erhielt eine Kühlung mittels Umluft. Die Elektroinstallation und Beleuchtung wurden den baulichen Veränderungen angepasst. Die Installation einer flächendeckenden Brandmeldeanlage war ebenfalls Bestandteil des Bauprojekts.

Außenanlagen

Der Hafthof wurde für Transporte hergerichtet und komplett neu gestaltet. Sieben Stellplätze, davon ein Behindertenstellplatz und Zuführungen zu Verhandlungsterminen wurden geschaffen. Eine neu errichtete Rampe verbindet die beiden Höfe als Zuwegung zum Außenaufzug. Hierfür wurde ein vermauerter Torbogen zwischen den Höfen wieder geöffnet. Schmutz - und Regenwasser werden durch neue Leitungen entwässert, ebenso wurde eine neue Ringdrainage über den Hafthof und die Tordurchfahrt in die Schulstraße verlegt und dort an den öffentlichen Kanal angeschlossen. Die Beleuchtung der Stellplätze, der Zuwegung zum Fahrstuhl und sämtlicher Eingänge erfolgt durch neue Wandbau- und Zweimastleuchten.

Barrierefreie Erschließung

Das Gebäudeensemble wurde barrierefrei erschlossen - ein Behindertenstellplatz ist auf dem Grundstück geschaffen worden. Ein neuer Außenaufzug verbindet das Erd- und das 1. Obergeschoss. Ein neuer Plattformlift im 1. Obergeschoss dient der Überwindung der Treppenstufen vom Außenaufzug zum Sitzungssaal 3 für Rollstuhlfahrer. Großformatige Pflasterung auf dem Hof hebt die Wegeführung optisch hervor und erleichtert die Nutzung für behinderte Menschen. Für Blinde, Gehörlose und Menschen mit anderen sensorischen Einschränkungen wurde u. a. ein taktiles Informationssystem errichtet.

Artenschutz

In Vorbereitung auf die Bauarbeiten wurde ein Kurzbericht des Kompetenzzentrums für Naturschutz und Umweltbeobachtung erstellt. Hier waren bzw. sind Hinweise auf die Nutzung des Gebäudeensembles durch ein Paar Dohlen im Schornstein, ein Paar Rauchschwalben an der Tordurchfahrt sowie einigen Fledermäusen im Heizungskeller enthalten. Daraus leitete sich die Notwendigkeit ab, während der Bauphase entsprechende Ersatzquartiere bereitzustellen und dauerhaft Ersatzquartiere anzulegen. Dies wurde im Zuge der Planungs- und Bauphase berücksichtigt.

Unterbringung Amtsgericht Stralsund, Zweigstelle Bergen - die wichtigsten Planungs- und Eckdaten

Bauherr Land Mecklenburg-Vorpommern, vertreten durch den BBL M-V, Geschäftsbereich Neubrandenburg (bis 12/2019) und das SBL Greifswald (ab 01/2020)
Projektleitung BBL M-V, Geschäftsbereich Neubrandenburg / SBL Greifswald
Planung und Baubetreuung ARGE Architekturbüro Albert und Partner / BMU Baumanagement Ullrich, Rostock
Gesamtbaukosten 6,5 Millionen Euro
 davon Honorarkosten 1 Million Euro
Baubeginn 03/2017
Bauende 05/2021
Nutzfläche 1.660 m²
Bruttogrundfläche 3.633 m²
Bruttorauminhalt
Stand: März 2021

Standort Amtsgericht Stralsund, Zweigstelle Bergen

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