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Neubau Polizeigebäude im Ostseebad Heringsdorf

13.04.2021 • Allgemeiner Landesbau
Für das Polizeirevier Heringsdorf und die Außenstelle Heringsdorf des Kriminalkommissariats Anklam wurde ein Neubau im Waldbühnenweg 2 errichtet. Das Land Mecklenburg-Vorpommern investierte in diesen Neubau 5,5 Millionen Euro. Der BBL M-V Geschäftsbereich Neubrandenburg, seit 2020 Staatliches Bau- und Liegenschaftsamt Neubrandenburg, war für das Bauprojekt verantwortlich, das nach Bewertungskriterien des Nachhaltigen Bauens errichtet wurde.

Die Polizei in Heringsdorf, bestehend aus dem Polizeirevier (PR) und einer Kriminalkommissariat-Außenstelle (KK-Ast), arbeitete bis zur Fertigstellung des Neubaus in der Bädergemeinde Heringsdorf äußerst beengt in einem Villengebäude in der Seestraße. Neben einem festen Mitarbeiterstamm sind saisonbedingt in den Sommermonaten weitere Mitarbeitende der Bäderpolizei hinzuzurechnen, so dass in Spitzenzeiten bis zu 60 Einsatzkräfte der Polizei auf die verfügbaren Arbeits- und Sozialräume in dem besagten Gebäude zurückgreifen mussten. Um zukünftig arbeitsfähige Strukturen am Standort zu gewährleisten, wurde der anerkannte Raumbedarf durch den BBL M-V in einem Zeitraum von ca. 18 Monaten in diesem Neubau umgesetzt.

Standort - Städtebauliche Situation

Die Liegenschaft befindet sich in südlicher Ortsrandlage, welche durch den angrenzenden Wald sowie durch kleinteilige Wohnbebauung und größere gewerbliche Gebäude geprägt ist. Ein wesentlicher Entwurfsansatz war daher die Prägnanz und gute Auffindbarkeit des Gebäudes. Hauptzufahrt und fußläufige Erschließung erfolgen von Norden, über das sicherheitstechnisch erforderliche Vorfeld. Hier befinden sich auch die Stellplätze für Besucher und Mitarbeiter. Über eine Rampe im Außenbereich sind das gesamte Gebäude sowie alle öffentlich zugänglichen Bereiche barrierefrei erschlossen. Garagen und Stellplätze für die Dienstfahrzeuge sind im rückwärtigen Grundstücksbereich eingeordnet.

Das Entwurfskonzept - ein zeitgemäßer Zweckbau

Das Raumprogramm gliedert sich in die Hauptbereiche PR und KK-Ast. Die Kriminalkommissariat-Außenstelle wird von Büroarbeitsplätzen in Ein- und Zweipersonenbüros dominiert. Diese sind dem geführten Besucher zugänglich und sind barrierefrei erreichbar. Die Sonderarbeitsräume zur Ermittlung und Spurenaufbereitung sind entsprechend ihres funktionellen Zusammenhangs in einer gemeinsamen Nutzungseinheit - im ersten Obergeschoss - untergebracht. Das Polizeirevier untergliedert sich in einen Verwaltungsbereich, einen nur dem Vollzugsdienst vorbehaltenem Sicherheitsbereich mit Wache, einen Gewahrsamsbereich, der dem Sicherheitsbereich angegliedert ist und einen Sozialbereich. Synergien wurden durch die Dienststellen übergreifende Nutzung des Schulungs- und Besprechungsraums sowie des Waffenschließfachraums erzielt.

Der Polizeibau ist in ein dreigeschossiges Hauptgebäude mit eingeschossigem Anbau unterteilt. Der 3-geschossige Neubauteil ist zweibündig angelegt und barrierefrei erschlossen. Ein Aufzug verbindet die drei Etagen miteinander. Beim Hauptgebäude wurde der Eingangsbereich mit Wache und dem darüber liegendem Schulungsraum aus der Fassade herausgedreht und somit architektonisch hervorgehoben. Die geringe Gebäudetiefe und der im Scheibenzwischenraum integrierte Sonnenschutz wirken sich positiv auf die Tageslichtverfügbarkeit und Umnutzungsfähigkeit aus. Im Gebäudeinneren wurde, soweit möglich, auf massive Wände verzichtet. Die bandartig wirkende Fassade besitzt im Anbau und im Sockelbereich eine Verblendung mit Klinkern. Die Obergeschosse hingegen sind mit einer Vorhangfassade aus Basalt verkleidet. Der dreigeschossige Neubau in Massivbauweise präsentiert sich durch seine prägnante Gestalt und sparsame Formensprache als ein modernes Verwaltungsgebäude.

bbl-interner Architektenwettbewerb

Dem Entwurf lag ein bbl-interner Architektenwettbewerb zugrunde, der im August 2012 durchgeführt wurde. Der zur Ausführung empfohlene Entwurf konnte jedoch nicht umgesetzt werden. Ein überarbeiteter Entwurf setzt nunmehr den bestätigten Raumbedarf der Polizei an diesem Standort um.

Bauvorbereitung

Zur Baufeldfreimachung wurde zunächst das Heizhaus aus den 1970er Jahren mit seinen Nebenanlagen bis September 2015 abgetragen. Der auf dem Grundstück befindliche Heizöltank wurde ebenfalls zurückgebaut und ca. 100 m³ kontaminierter Boden entsorgt. Alle Ausgleichsmaßnahmen zum Artenschutz wurden im Februar 2015, also vor den Abbruchmaßnahmen realisiert.

Nachhaltigkeit

Im Rahmen der Entwurfsplanung wurde das Bewertungssystem "Neubau Büro und Verwaltungsgebäude" Version 2011-1 nach dem Leitfaden für Nachhaltiges Bauen des Bundes (BNB) auf das Vorhaben angewandt. Auftrag dabei war, den Standard "Silber" zu erfüllen. Besonderer Wert wurde auf eine hohe technische und energetische Qualität mit angemessenen Lebenszykluskosten gelegt. Die Wirkungen des Gebäudes und seiner Anlagen wurden bereits in der Planungsphase über den gesamten Lebenszyklus betrachtet und optimiert. Ein besonderer Schwerpunkt des Konzepts lag dabei auf der ökologischen und ökonomischen Qualität.
Die unbehandelten Elemente der Fassade sind aus einem Material hergestellt, das sich vollständig recyceln lässt. Die Energieversorgung übernimmt eine Luft-Wärmetauschanlage, deren Strombedarf über die ca. 170 m² große Photovoltaikanlage auf dem extensiv begrünten Dach erzeugt wird. So braucht nur an außergewöhnlich kalten Tagen mit Temperaturen von weniger als -20 Grad Celsius über eine Gastherme Wärmeenergie zugeführt werden.
Hohe Fenster, die sehr viel Licht in das Gebäude bringen, breite Flure und Fußbodenheizung im gesamten Gebäude sowie innenliegender Sonnenschutz sorgen unabhängig von der Jahreszeit für angenehme raumklimatische Bedingungen und stärken damit den soziokulturellen Aspekt des Nachhaltigen Bauens. Neben dem Einsatz von emissionsarmen Baustoffen wurde ebenfalls großer Wert auf eine gute Aufenthaltsqualität im Außenraum für die Mitarbeiter des Polizeigebäudes gelegt.
Mit einem Gesamterfüllungsgrad von 69,3% und der damit erreichten Note von 1,86 in der Objektbewertung nach BNB konnte das gesteckte Ziel "Silber-Standard" erreicht werden.
 

Neubau Polizeigebäude im Ostseebad Heringsdorf

Bauherr Land Mecklenburg-Vorpommern, vertreten durch den BBL M-V, Geschäftsbereich Neubrandenburg
Projektleitung BBL M-V, Geschäftsbereich Neubrandenburg
Baubetreuung BMU Baumanagement Ullrich, Rostock
Planung Entwurf BBL M-V, Geschäftsbereich Rostock
Planung Ausbau BMU Baumanagement Ullrich, Rostock
Gesamtbaukosten 5,5 Millionen Euro
Baubeginn 03/2016
Bauende 09/2017
Nutzfläche 1.174 m²
Brutto-Grundfläche 1.970 m²
Bruttorauminhalt 7.386 m³
Fassadenfläche 870 m²
Nachhaltigkeit/Bauökologie

Lageplan Neubau Polizeirevier Heringsdorf

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