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Sanierung einer Dokumentations- und Gedenkstätte in Rostock

30.04.2021 • Allgemeiner Landesbau
In der Hermannstraße 34b wurde das Dokumentationszentrum, bestehend aus dem sogenannten Kopfbau und dem daran anschließenden Haftbereich, hergerichtet. Am 10. Mai 2021 erfolgt die feierliche Einweihung der Dokumentationsstätte mit Ausstellungseröffnung. Verantwortlich für das Bauvorhaben war der damalige Geschäftsbereich Neubrandenburg des landeseigenen Betriebs für Bau und Liegenschaften (BBL) und das jetzige Bau- und Liegenschaftsamt Neubrandenburg (SBL). Bei dieser Baumaßnahme waren unteranderem auch der SBL Rostock, der SBL Greifswald in unterschiedlichen Funktionen beteiligt.
Der bauliche Zustand des denkmalgeschützten Komplexes erforderte eine Grundsanierung, die unter Berücksichtigung der denkmalpflegerischen Belange erfolgte. Ziel war, die verschiedenen Epochen der Nutzung, beginnend mit der Errichtung des Gebäudes insbesondere im Haftbereich zu erhalten bzw. wiederherzustellen. Finanziert wurde das Bauprojekt zu gleichen Teilen aus dem Landes- und Bundeshaushalt.

Zur Geschichte

Die heutige Dokumentations- und Gedenkstätte ist ein Teil des aus vier Flügeln bestehenden Gebäudekomplexes und wurde zwischen 1958 bis 1960 erbaut und umfasste sechs Gebäudeteile. In dem Gebäudekomplex befand sich bis 1989 die Bezirksverwaltung Rostock des Ministeriums für Staatssicherheit (MfS) der ehemaligen Deutschen Demokratischen Republik (DDR). Der Gebäudeabschnitt der heutigen Dokumentations- und Gedenkstätte diente als Untersuchungshaftanstalt. Der unter Denkmalschutz stehende Gebäudekomplex befindet sich im mittleren südlichen Bereich des Altstadtkerns der Hansestadt Rostock, zwischen der August-Bebel-Straße im Norden und der Hermannstraße im Osten. Neben der Gedenkstätte sind heute das Landgericht Rostock mit Gerichtssälen und Büroräumen untergebracht.

Architektur, Konzeption und Gestaltung

Der Komplex ist als viergeschossiger Mauerwerksbau mit Kellergeschoss und Dachgeschoss errichtet. Die Dächer sind als Walmdächer ausgebildet. Die Fassaden zur August-Bebel-Straße bestehen aus Klinkern und Werksteinelementen in den Fensterachsen. Im unteren Bereich der Fassaden, in Höhe des Erdgeschosses, sind Bänderungen mit rechteckigen Betonplatten aufgebracht.

Der Gebäudeteil der Dokumentations- und Gedenkstätte ist in einen Kopfbaubereich sowie einen Haftbereich unterteilt. Die Fassade des Kopfbaues entspricht dem des Gebäudekomplexes. Die Fassaden des Haftbereiches wurden als Putzfassade ausgebildet. Über das Treppenhaus im Kopfbau gelangt man in alle Geschosse des Kopfbaues. Im Haftbereich sind das Erdgeschoss bis 3. Obergeschoss über zwei offene Treppenanlagen erreichbar. Das Kellergeschoss im Haftbereich ist in zwei nicht miteinander verbundene Bereiche unterteilt. Jeder dieser Kellerbereiche ist durch eine separate Treppe erschlossen. Alle Ebenen des Gebäudes sind jetzt barrierefrei über einen neu errichteten Aufzug erschlossen.

Der ehemalige Haupteingang der Dokumentations- und Gedenkstätte war weder von der August-Bebel-Straße noch von der Hermannstraße wahrnehmbar. Der Besucher musste, um diesen Eingang zu finden, um den gesamten Gebäudekomplex herumgehen. Für die damalige Nutzung als Untersuchungshaftanstalt war diese Lage sicherlich gewünscht, zur Erschließung der Dokumentations- und Gedenkstätte war diese Lage nicht günstig. Um den Haupteingang näher in die Wahrnehmung der Öffentlichkeit zu rücken, ist ein neuer Haupteingang in der Westfassade des Kopfbaus errichtet worden. Hierzu wurde der Gebäudeverbinder der Telekom abgebrochen. Der neue Fußweg schließt jetzt direkt an die August-Bebel-Straße an.

Bei der Grundsanierung wurden Kopfbau und Haftbereich unterschiedlich betrachtet. Der Kopfbau ist durch die Nutzung der Uni Rostock für Büro und Seminarräumen bereits angepasst worden.
Der Haftbereich mit Freigang ist seit der Nutzung als U-Haftanstalt kaum baulich verändert. Zum Haftbereich gehört auch ein Niedergang zum Kellergeschoss, der sogenannte Innenhof. Flucht- und Rettungswege wurden neu geschaffen sowie eine Hausalarmanlage errichtet. Im Hafttrakt musste im Dachgeschoss eine Entrauchungsanlage eingebaut werden. Sie war notwendig, da im Rauchversuch in den Treppenräumen durch die vorhandenen nicht rauchdichten Gittertüren der Rauch sich im oberen Deckenbereich der letzten Geschossdecke sammelte und zu langsam abzog. Die Umsetzung des erstellten Brandschutzkonzepts sowie der Substanzerhalt erfolgten unter Beibehaltung der Authentizität des Gebäudes, um die Erinnerung an die dokumentierte Nutzung des Gebäudes gegenwärtig zu halten.
Die Raumstrukturen des Kopfbaus wurden neu geordnet. Der Kopfbau ist barrierefrei über einen Aufzug erschlossen. Erforderliche WC-Anlagen einschließlich eines Behinderten-WCs wurden errichtet, Wand- und Bodenbeläge, Fenster und Innentüren neu eingebaut sowie die Heizungs-, Sanitär- und Elektroanlagen erneuert. Im Haftbereich sind die bauzeitlichen Raumstrukturen erhalten geblieben. Neu eingebrachte Medienleitungen wurden zurück gebaut und die Heizungs-, Sanitär- und Elektroanlagen weitestgehend erhalten. Im Erdgeschoss wurden die sanitären Einrichtungen zurück gebaut. Neue Medienkanäle wurden errichtet. Das Dach hat eine neue Dachdeckung erhalten. In den Räumen der Bibliothek im Erdgeschoss erfolgten nur die notwenigsten Maßnahmen. Die Außenanlagen im Innenhof sind wiederhergestellt. Der Hof für den Freigang wurde behutsam restauriert. Die Mauer und Werksteinabdeckungen am Freigang sind instandgesetzt, der zwischenzeitlich entfernte sogenannte "Postengang" wurde wiederhergestellt. Das Erscheinungsbild der Fassade ist vollständig erhalten geblieben, an den erforderlichen Stellen wurden aus diesem Grund lediglich Ausbesserungsarbeiten vorgenommen. Fenster und Gitter des Haftbereiches sind aufgearbeitet und vorhandene Kunststofffenster wurden ersetzt. Die Drainage im Sockelbereich des Gebäudes wurde verbessert, um die Bausubstanz zu erhalten und gegen Durchfeuchtung zu schützen.
Das Dach wurde in Abstimmung mit dem Denkmalschutz erneuert, der Dachstuhl (punktuell) verstärkt. Um den Zugang zur Dokumentationsstätte zu verbessern, ist dieser in den Grünen Weg verlegt worden.

Sanierung der Dokumentations- und Gedenkstätte Rostock Hermannstraße 34b

Bauherr Land Mecklenburg-Vorpommern, vertreten durch das Staatliche Bau- und Liegenschaftsamt Neubrandenburg (SBL)
Projektleitung SBL Neubrandenburg
Baukosten 4 Millionen Euro
 Anteil Land 50 Prozent
 Anteil Bund 50 Prozent
Baubeginn 11/2018
Bauende 04/2021
feierliche Übergabe 10. Mai 2021
Nutzfläche 2.152 m²
Brutto-Grundfläche 4.195 m²
Bruttorauminhalt 13.188 m³
beauftragte Planer und Bauleitung
Stand: 25. März 2021

Sanierung der Dokumentations- und Gedenkstätte Rostock Hermannstraße 34b

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